Wie viel Futter liegt im Silo?

Ein Interview mit Franz Worek und Stefan Thurner.

Erträge auf dem Acker zu benennen ist für jeden Landwirt selbstverständlich. Wie viele Tonnen Trockenmasse pro Hektar Grünland geerntet wurden, weiß dagegen kaum einer. 

Wie viel Futter liegt im Silo?

Ein Interview mit Franz Worek und Stefan Thurner.

Erträge auf dem Acker zu benennen ist für jeden Landwirt selbstverständlich. Wie viele Tonnen Trockenmasse pro Hektar Grünland geerntet wurden, weiß dagegen kaum einer. 

Erträge auf dem Acker zu benennen ist für jeden Landwirt selbstverständlich.

Wie viele Tonnen Trockenmasse pro Hektar Grünland geerntet wurden, weiß dagegen kaum einer.

Das Experimentierfeld DigiMilch der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft will unter anderem in diesem Bereich mehr Licht ins Dunkel bringen. Dazu spricht Trends mit Franz Worek und Stefan Thurner über die sensorgestützte Ertragsermittlung.

Maria Pechtl, Franz Worek und Stefan Thurner (von links nach rechts) erproben im Rahmen eines Demonstrationsprojekts die sensorgestützte Ertragsermittlung im Grünland. Mittels NIRS-Sensor können mittlerweile auch Inhaltsstoffe der Silage erfasst werden.

Trends: Herr Thurner – zuerst kurz zusammengefasst: Worum geht es bei DigiMilch?

Stefan Thurner: DigiMilch besteht aus fünf Demonstrationsprojekten, die sich mit Wirtschaftsdüngermanagement, sensorgestützter Ertragsermittlung, Fütterungsmanagement, vernetzter Stalltechnik und vernetzten, tierindividuellen Sensorsystemen beschäftigen. Ziel des Projekts ist es, die existierenden digitalen Lösungen für die Prozesskette Milcherzeugung auf ihre praktische Eignung in landwirtschaftlichen Betrieben zu überprüfen und zu bewerten sowie den Datenfluss bzw. die Vernetzung der Systeme zu optimieren.

Trends: Was ist Ihre Aufgabe konkret in diesem Projekt?

Franz Worek: Unsere Aufgabe ist die Erprobung und Demonstration der am Markt verfügbaren Technologien zur sensorgestützten Ertragserfassung bei der Grünland- und Feldfutterernte. Die Daten der Systeme von unterschiedlichen Herstellern werden auf den teilnehmenden Praxisbetrieben erfasst, parallel wird ein Teil der Daten mit Referenzmessungen verglichen und die resultierenden Ertragskarten werden dann im Anschluss bewertet. Zudem werden die Ergebnisse aus der sensorgestützten Ertragserfassung mit denen aus verschiedenen Fernerkundungsmethoden (Ertragserfassung via Satellit) verglichen. Am Ende geht es darum zu zeigen, wo der Landwirt mit der Ertragserfassung seinen Betrieb effizienter gestalten und Arbeit einsparen kann.

Trends: Welche unterschiedlichen Systeme zur Ertragserfassung untersuchen Sie?

Thurner: Aktuell untersuchen wir zwei Systeme zur Ertragserfassung. Zum einen die Ertrags- und Feuchteermittlung am Feldhäcksler. Weiterhin findet in Zusammenarbeit mit mehreren Projekten die Testung von Modellen zur Ertragsschätzung via Satellitendaten statt.

Zudem wird die Praxistauglichkeit von Wiegesystemen in Abfuhrgespannen und Ballenpressen bewertet. Auch hier gibt es schon Systeme zur Erfassung des TM-Gehalts.

Nicht alle Schnitte auf dem Grünland werden mit dem Feldhäcksler geerntet. Daher muss man auch diese Varianten berücksichtigen.

Grasernte bei einem der DigiMilch-Betriebe zum ersten Schnitt.

Trends: Wie funktioniert die Ertragsermittlung beim Häcksler, wie genau ist sie und wofür kann der Landwirt die ermittelten Daten nutzen?

Worek: Mithilfe eines Nahinfrarotspektroskopie- (NIRS-) Sensors auf dem Häcksler werden Trockenmasse-Gehalt und Inhaltsstoffe des Ernteguts erfasst. Der Trockenmasseertrag ergibt sich dann aus dem zusätzlich über eine Volumenstrommessung im Einzugsbereich des Häckslers bestimmten Frischmasseertrag. Ziel der Ertragsermittlung ist es, Erkenntnisse über die Menge und die Qualität des Ernteguts zu erhalten, um damit die Rationsplanung einfacher zu gestalten, die optimale Schnittlänge am Feldhäcksler zu steuern und den Einsatz von Siliermittel zu regulieren. Außerdem können mit der Information über die tatsächlichen Erträge einzelner Schläge die Düngung optimiert und sanierungsbedürftige Grünlandflächen erkannt werden. Bei Flächen mit geringem Ertragspotenzial kann z. B. die Schnitthäufigkeit reduziert werden. Ein Schnitt verursacht immerhin Kosten von 115 bis 200 Euro pro Hektar.

Das Wissen um die tatsächlichen Erträge hilft dem Landwirt bei der Futtervorratsplanung bzw. Futterrationsgestaltung. Über die Trockenmasseerträge und die am Betrieb eingesetzte Ration können sehr früh Aussagen über benötigte und vorhandene Futtermengen getroffen werden.

Bei der Genauigkeit der Ergebnisse waren wir überrascht. Im Silomais erreichen wir momentan eine Abweichung von nur 2,38 Prozent über alle vier Systeme der teilnehmenden Hersteller! In den letzten zehn Jahren haben die Hersteller ihre Systeme ständig weiterentwickelt.

Lohnunternehmer Martin Zintl aus Wiesau kontrolliert den NIRS-Sensor während der Ernte am JAGUAR.

Trends: Welche Inhaltsstoffe können erfasst werden?

Thurner: NIRS-Sensoren können je nach Hersteller den TM-Gehalt, die Rohasche (XA), den Rohprotein-Gehalt (XP), den Rohfaser-Gehalt (XF), den Rohfett-Gehalt (XL), den Stärke- und Zuckergehalt und den Wert für die Neutrale-Detergenzien-Faser (NDF) sowie die Saure-Detergenzien-Faser (ADF) bestimmen. Wichtig für den Landwirt ist vor allem der TM-Gehalt. Mit ihm kann er bereits zur Ernte feststellen, wie viel Trockenmasseertrag im Lager zur Verfügung steht und ob der Schnitt- bzw. Erntezeitpunkt diesbezüglich optimal war. Die restlichen Inhaltsstoffe dienen vor allem der ersten Beurteilung der Qualität des Ernteguts. Mittels des Rohaschegehalts können beispielsweise Rückschlüsse auf das Erntemanagement vom Mähen bis zum Schwaden gezogen und somit auch beim nächsten Schnitt optimiert werden. Eine Beprobung der fertigen Silage ist jedoch weiterhin nötig, da die Umsetzungsprozesse im Silierverlauf sehr variabel sind.

Trends: Wie kommt der Landwirt an die Daten, die das System liefert?

Worek: Einer unserer Schwerpunkte liegt in der Anbindung der Ertragsdaten an ein Farmmanagement Informationssystem. Aktuell sind Ausdrucke auf Papier oder Auswertungen im PDF-Format noch weit verbreitet. Alle Hersteller bieten jedoch bereits heute digitale Datensätze an. So können beispielsweise Daten im ISO-XML-Format vom Lohnunternehmen exportiert und anschließend vom Landwirt in eine digitale Ackerschlagkartei importiert werden. Eine Automatisierung sollte über alle Systeme zukünftig das Ziel sein. Über Datenaustauschplattformen wie z. B. agrirouter ist dies bereits möglich. Der Landwirt muss mit den erfassten Daten einfach arbeiten können und der Nutzen klar erkennbar sein.

Stefan Thurner ist Leiter der Arbeitsgruppe Verfahrenstechnik Grünland und Futterbau am Institut für Landtechnik und Tierhaltung (ILT) und beschäftigt sich zusammen mit Franz Worek bei DigiMilch mit der sensorgestützten Ertragsermittlung.

 

 

Kontakt: georg.doering@claas.com