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Tüftler in Problemlage.

Vom Wissenschaftler zum Landwirt.

Wilhelm Schäkel strebte eine wissenschaftliche Karriere als Agrarwissenschaftler an. Doch dann startete er das Experiment seines Lebens und übernahm brach liegendes Land an einem Grenzstandort in Brandenburg.

Tüftler in Problemlage.

Vom Wissenschaftler zum Landwirt.

Wilhelm Schäkel strebte eine wissenschaftliche Karriere als Agrarwissenschaftler an. Doch dann startete er das Experiment seines Lebens und übernahm brach liegendes Land an einem Grenzstandort in Brandenburg.

Endlose Alleen, kleine Dörfer mit rumpeligem Kopfsteinpflaster...

...und ganz viel weites Land. Hier, in Zempow im nördlichen Brandenburg nahe der Müritz, hat der gebürtige Ostwestfale Wilhelm Schäkel seine „Bio-Ranch“ aufgebaut. Einen 500-ha-Bio-Betrieb mit Mutterkuhhaltung, Hanfanbau, Tourismus und eigenem Hofladen.

Als Problemlage bezeichnet der promovierte Agrarökonom seine Flächen selbst. Damit meint er die sandigen Böden mit 18 bis 25 Bodenpunkten und die sehr dürftigen Niederschlagsmengen von maximal 450 mm im Jahr. Hinzu kommt, dass die Bewirtschaftung der früheren LPG im wahrsten Sinne ihre Spuren hinterlassen hat. Noch heute kämpft Schäkel mit Bodenverdichtungen, die das tiefe Pflügen zu DDR-Zeiten verursacht hat.

Wilhelm Schäkel lebt den stressfreien Umgang mit seinen Rindern. Dazu bietet er auch Seminare an.

„Lass bloß die Finger davon“, riet ihm sein damaliger Berater, als sich die Möglichkeit ergab, die damals brach liegenden Flächen zu übernehmen. Doch Schäkel machte es trotzdem. Und es war nicht das letzte Mal, dass er eine gut gemeinte Empfehlung eines Beraters überging.

Vom Wissenschaftler zum Landwirt

Dass er im 117-Einwohner-Dorf Zempow landete und hier einen eigenen Betrieb führt, war einerseits Zufall, andererseits auch konsequent. Schäkel wuchs auf einem Sauenbetrieb bei Minden auf, strebte aber schon früh eine agrarwissenschaftliche Karriere an. In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich damit, wie Arbeitsplätze im ländlichen Raum entstehen.

„Wenn Zempow nicht dazwischengekommen wäre, wäre ich wohl der Wissenschaft treu geblieben“, erzählt der Bio-Landwirt. Doch im Jahr 1991 führte ihn ein wissenschaftliches Projekt hierher. Er sollte ein Konzept erarbeiten, wie Betriebe an diesem Grenzstandort bestehen können und zur Entwicklung der Region beitragen können. 

Als er die ersten Ideen ausgearbeitet hatte, ergab sich die Chance, die Flächen zu übernehmen. „Es war ein Prozess“, erinnert sich Schäkel, „aber ich fand es einfach sehr reizvoll, mein Studienwissen praktisch umzusetzen.“

Wilhelm Schäkel baut für seine Tiere ein Gemenge aus Wickroggen, Klee-Luzerne und eine Mischung aus Hafer, Erbsen und Sonnenblumen an. Auf Maissilage verzichtet er.

Hinzu kam, dass er die Region südlich der Müritz schon aus Kindertagen kannte, weil er hier Verwandte hatte: „Diese Landschaft hier war für mich immer der Inbegriff von Freiheit.“Und so begann er im Jahr 1992 quasi aus dem Nichts einen Bio-Betrieb aufzubauen. Die größten Herausforderungen waren die Trockenheit und die mangelnde Fruchtbarkeit der Böden. Doch für beides hatte er Lösungen parat. Sie hießen Mutterkuhhaltung und eine angepasste Fruchtfolge. Das Ziel: mehr Humus.

Eigene Ideen konsequent umsetzen

„Bei der Fruchtfolge haben wir viel getüftelt. Hier geht ja nicht mal Kleegras“, erklärt Schäkel. Stattdessen setzt er vor allem auf Mischfruchtanbau mit Gemengen wie Wickroggen, Klee-Luzerne und eine Mischung aus Hafer, Erbsen und Sonnenblumen. „Mein Berater warnte mich, den Mais aus der Ration zu nehmen. Aber die Gemenge schmecken den Tieren einfach viel besser und die Tageszunahmen gingen damit deutlich rauf statt runter“, erzählt Schäkel.

Als weiteres Standbein kam vor sechs Jahren Hanf dazu. Heute baut er stolze 110 ha an, überwiegend im Vertrag für einen nahegelegenen Verarbeiter. Einen Teil der Ernte verarbeitet er aber auch selbst zu Öl, Tee und Dämmmaterial und vermarktet diese Produkte unter anderem über den Hofladen.

Um Wasser zu sparen, ging er zur pfluglosen Bodenbearbeitung über – ein Wagnis im Ökolandbau. „Das klappt inzwischen ganz gut“, erzählt der Landwirt. „Der Schlüssel dafür ist der Mischfruchtanbau.“

Als weiterer Trumpf in seinem Konzept erwies sich der Tourismus. Obwohl es um Zempow herum kaum touristische Angebote gab, baute er am Hof acht Ferienwohnungen und setzte voll auf echten Landurlaub, ergänzt um einen Reitstall, den er als weiteres Angebot baute. „Anfangs wurde ich oft gefragt: Wer soll denn bitte schön hierherkommen?“, sagt Schäkel. Heute begrüßt er im Jahr etwa 3.000 Gäste, die seinen Hofladen nutzen und das ländliche Ambiente und die Einblicke in die praktische Landwirtschaft sehr zu schätzen wissen.

Auch für seine Rinderhaltung entwickelte er neben der Fleischvermarktung eine weitere Idee: das sogenannte Stockmanship. Für dieses Konzept zum stressfreien Umgang mit Rindern bietet er Seminare für Landwirte und Laien an, die er „Kuhflüstern“ nennt. Ein Angebot, das sehr gut angenommen wird. 

Mit der erfolgreichen Entwicklung seiner Bio-Ranch hat Schäkel bewiesen, dass er kein praxisferner Theoretiker ist. Allein auf seinem Hof sind zwölf Arbeitsplätze entstanden. Von den Touristen profitieren zudem weitere Höfe der Region und nicht zuletzt das Dorf Zempow, wo inzwischen ebenfalls Unterkünfte entstanden sind. 

Viele Standbeine sichern die Existenz

Auch nach 28 Jahren Praxis hat Schäkel noch einen wissenschaftlichen Blick auf die Landwirtschaft. Seine Vision ist eine Verbindung von Markt und Ökologie, in der eine bäuerliche Landwirtschaft ohne Subventionen auskommt und nicht auf ständiges Wachstum angewiesen ist.

Auch wegen der eigenen Erfahrungen plädiert er dafür, dass sich Betriebe möglichst breit aufstellen und mehrere Standbeine haben sollten. „Das schafft Gestaltungsspielräume, die bei stark spezialisierten Betrieben oft fehlen“, meint Schäkel. Schon allein durch das Internet ergäben sich viele neue Wege zur Vermarktung eigener Produkte, auch für kleinere Höfe.

Außerdem glaubt er, dass die Landwirtschaft die Verarbeitung ihrer Erzeugnisse wieder stärker selbst in die Hand nehmen sollte, etwa im Bereich der Saatgutaufbereitung. Um die nötige Technik finanzieren zu können, sollten die Betriebe stärker im Verbund arbeiten. Schäkel spricht aus eigener Erfahrung. Denn er setzte in Zempow von Anfang auf enge Kooperationen mit den benachbarten Höfen und profitiert bis heute davon.

Dass ihm die Ideen für seine Bio-Ranch ausgehen, ist nicht zu befürchten. Denn Schäkel hat schon wieder neue Pläne. Er möchte das ehemals einzige Autokino der DDR bei Zempow wiederbeleben. „Aber nicht nur als Autokino, sondern auch als Traktorkino“, sagt er und lächelt. Und es scheint ihm ziemlich egal zu sein, was die Berater von dieser Idee halten.

 

Kontakt: johann.gerdes@claas.com