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Das Gold der Inkas.

Kinoa-Ernte mit einem LEXION 540.

Wenn Thomas Decker im Spätsommer seinen LEXION 540 startet, dann ist die Getreideernte auf dem Großen Kreuzhof schon so gut wie gelaufen.

Das Gold der Inkas.

Kinoa-Ernte mit einem LEXION 540.

Wenn Thomas Decker im Spätsommer seinen LEXION 540 startet, dann ist die Getreideernte auf dem Großen Kreuzhof schon so gut wie gelaufen.

Wenn Thomas Decker im Spätsommer seinen LEXION 540 startet,...

...dann ist die Getreideernte auf dem Großen Kreuzhof schon so gut wie gelaufen. Anfang bis Mitte August, manchmal auch erst im September, wird in Stommeln aber noch „Kinoa – das Gold aus dem Rheinland“ gedroschen.

Wann das peruanische „Getreide“ Quinoa tatsächlich erntereif ist, findet man in keinem landwirtschaftlichen Lehrbuch. Auch zur Aussaat, zur Pflege und Weiterverarbeitung stehen kaum Handlungsempfehlungen zur Verfügung. Eigene neue Idee erfordern eben eine hohe Risikobereitschaft. Davon kann Thomas Decker ein Lied singen. Gut, dass er sich mit seinem Bruder Johannes und seiner Ehefrau Verena immer wieder austauschen kann. Das Team nennt sich „Feldhelden Rheinland“ und ist angetreten, auf dem 200 Jahre alten Traditionshof in Stommeln neue Wege zu beschreiten.

2018 wurde die Idee mit dem peruanischen Getreide aus der Taufe gehoben. „Wir wollen eigene Ideen mit Zukunftspotenzial entwickeln“, erläutert Thomas Decker. „Und wir wollen, dass der direkte Kontakt mit den Verbrauchern wieder an Bedeutung gewinnt.“ Mit der Fruchtfolge Weizen, Kartoffeln, Dinkel, Zuckerrüben und etwas Rapsvermehrung ist dies schwierig, auch weil ein Wachstum über die Fläche wegen hoher Bodenpreise kritisch einzuschätzen ist. Die Grenzen der klassischen betrieblichen Entwicklungsmöglichkeiten scheinen damit abgesteckt.

Das Start-up „Feldhelden Rheinland“ will die exotische Quinoa im Rheinland heimisch machen. Die Feldhelden sind v.li. Johannes, Verena und Thomas Decker.

Neue Wege gehen

Also setzte sich der Nachwuchs-Familienrat zusammen. Wie und mit was lässt sich eine höhere Wertschöpfung erwirtschaften, was passt in die Betriebsstruktur, auf welche Maschinen und auf welches Know-how können wir zurückgreifen? Die Berufe des Gründerteams bilden die Grundlage für die neuen Verantwortlichkeiten. Thomas der Landwirt, Johannes der BWLer mit Marketinghintergrund und Einblicken in die Startup-Welt und Verena als kreative, kommunikative Marketingkraft – das sind die „Feldhelden Rheinland“.

Mit dem Betrieb im Speckgürtel der Rheinmetropole Köln rechnet sich das junge Team Chancen aus mit den Themen „Regionalität“ und „gesunde Ernährung“. Das Superfood Quinoa erfüllte bislang zumindest die zweite Kategorie. Doch das Produkt kommt von weit her, selbst in Bioqualität kann Quinoa in der Klimabilanz deshalb nicht punkten. „Wir wussten nicht viel von dieser Anden-Kultur“, erinnert sich Thomas Decker. Dennoch konnte schon im Sommer 2019 das erste Gold aus dem Rheinland in Tüten abgefüllt werden. In Anlehnung an den Produktionsort nahe Köln wurde das ‘Qu’ durch ein ‘K’ ersetzt – die Marke „Kinoa – das Gold aus dem Rheinland“ war geboren.

Saatgut ist nicht einfach zu bekommen. Die Produktion von homogenem Quinoa-Saatgut steht noch ganz am Anfang.

Regional agieren

Das Projekt „Setup Food Strip“ griff die Idee der regional produzierten Quinoa in diesem Jahr auf. Die Initiative will neue Wertschöpfungsketten der regionalen Land- und Ernährungswirtschaft im Rheinischen Revier auf den Weg bringen – von der Urproduktion bis zum Konsum. Die RWE stellt die Flächen im Rahmen ihrer Rekultivierungsmaßnahmen zur Verfügung. Die Initiative läuft als Verbundprojekt mit der FH Südwestfalen, dem Ernährungsrat Köln und weiteren Partnern aus Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Die „Feldhelden Rheinland“ mit ihrer Quinoa-Idee erfüllten die Voraussetzungen für eine Teilnahme. Ihnen wurde in Jüchen ein drei Hektar großes „Schaufenster Quinoa“ zugesprochen.

Zusammen mit den eigenen Flächen hat Decker in diesem Jahr bereits acht Hektar ausgesät. Nach wie vor sind Unkrautregulierung, Trocknung und Reinigung die großen Herausforderungen im Anbau. Auch an gutes Saatgut aus Deutschland zu kommen, ist nicht ganz einfach, nur 60 Landwirte bauen in Deutschland Quinoa an.

Quinoa ist eine Kultur, die sehr ungleichmäßig abreift. Das macht es schwierig, den optimalen Erntezeitpunkt zu finden.

Quinoa-Anbau

Die Vorbereitungen fürs Saatbett starten bereits im Herbst. „Der erste Schritt ist die Winterfurche als Flächenvorbereitung“, erläutert Decker. „Im zeitigen Frühjahr ebne ich die Flächen ein. Ende März erfolgt die Aussaat mit einem Reihenabstand von 50 cm.“ Eine weitere Herausforderung ist der Pflanzenschutz. Für die Unkrautregulierung nutzt der Landwirt eine Hacke Marke Eigenbau in Kombination mit einem Schmalspurschlepper. Quinoa besitzt den Vorteil, dass sie schnell die Reihen schließt und somit selbsttätig das Unkraut unterdrücken kann. Bis zum Reihenschluss muss er dennoch mehrmals durch den Bestand fahren. Ein Problem bleibt die Melde, die zur gleichen Gattung zählt wie das Pseudogetreide.

„Pflanzenschutzmittel sind ein No-Go bei Superfood“, weiß Verena Decker, die auch für die Kundenkommunikation zu-ständig ist. „Bio ist eigentlich ein wichtiges Kriterium für unsere Zielgruppe. Das können wir als konventioneller Betrieb nicht bieten. Aber wir verzichten beim Quinoa-Anbau auf chemischen Pflanzenschutz. Ansonsten vertrauen wir auf unsere Verkaufsargumente Regionalität und Nachhaltigkeit.“ Ein weiterer Vorteil ist die deutsche Herkunft des Saatgutes. Die garantiert, dass die Sorte frei von Bitterstoffen ist, nicht geschält werden muss und deshalb als „Vollkorn“ vermarktet werden kann. Etwaigen Läusebefall halten die Marienkäfer aus dem angrenzenden Blühstreifen in Grenzen. „Die Biodiversität auf den Flächen ist beeindruckend“, weiß Verena Decker. 

Die Ernte erfolgt mit dem hofeigenen Drescher. Ein 13 Jahre alter CLAAS LEXION 540 leistet hier gute Dienste. „Die größte Herausforderung ist die unterschiedliche Abreife der einzelnen Pflanzen“, weiß Thomas. Den optimalen Erntezeitpunkt zu finden, sei fast unmöglich. Anders als etwa Weizen ist die Pflanze Quinoa züchterisch kaum bearbeitet. Daher sind die einzelnen Pflanzen von einer großen Vielfalt in Wuchs und Abreife geprägt. Um einen Ausgleich zu schaffen, hat der Betrieb in diesem Jahr eine frühe und eine späte Sorte ausgesät. Thomas ergänzt: „Wegen der vielen Unwägbarkeiten bin ich mit einer Ernte von 1 bis 2 Tonnen vermarktungsfähiger Ware pro ha zufrieden.“ Die Erntemasse, die der LEXION vom Acker holt, ist ungleich höher. Das liegt am hohen Ausschussanteil und am Feuchtigkeitsgehalt der Körner. Auch dieser Umstand ist der ungleichmäßigen Abreife geschuldet.

Herausfordernde Ernte

Das Erntegut muss also zunächst getrocknet, später mechanisch und per Fotoauslese gereinigt werden. Dienstleister, die das können, haben die Feldhelden nach langer Suche gefunden. Den Kinoa-Vertrieb hat Johannes im Blick. Abnehmer sind Hofläden in der Region, der örtliche Lebensmittelhandel, Restaurants, Altenheime, Kitas oder Unverpackt-Läden.

Noch rechnet sich der Betriebszweig nicht, auch wenn der Absatz der aktuellen Erntemengen gesichert ist. Das liegt in erster Linie an den hohen Verarbeitungskosten und am hohen logistischen Aufwand. Doch die Feldhelden sehen positiv in die Zukunft. Die Kinoa aus dem Rheinland dürfte nicht das einzige innovative Projekt des jungen Teams bleiben.


Kontakt: moritz.kraft@claas.com