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AXION 960 TT vs. Green Fighter

Nicht zu bremsen.

Wer gewinnt, wenn der AXION 960 TERRA TRAC gegen den Green Fighter zum Zugkraftwettbewerb antritt? Zahlreiche Zuschriften haben uns erreicht, davon rund zwei Drittel mit einem Tipp auf den Sieg des AXION. Wohl die wenigsten haben geahnt, wie spannend der Wettkampf am Ende würde.

AXION 960 TT vs. Green Fighter

Nicht zu bremsen.

Wer gewinnt, wenn der AXION 960 TERRA TRAC gegen den Green Fighter zum Zugkraftwettbewerb antritt? Zahlreiche Zuschriften haben uns erreicht, davon rund zwei Drittel mit einem Tipp auf den Sieg des AXION. Wohl die wenigsten haben geahnt, wie spannend der Wettkampf am Ende würde.

Am 1. August war es so weit:

Auf der Wettkampf­­bahn in Füchtorf in Ostwestfalen steht der Red Shadow TE vom Trecker Treck Edewecht e.V.

CLAAS | AXION 960 TT vs. Green Fighter

Diesen offiziell anerkannten Bremswagen sollen nun, in Anlehnung an das Reglement der Deutschen Trecker Treck Organisation e.V. (DTTO), unsere Kontra­henten in maximal zwei Wettbewerbsläufen bezwingen. Im Jargon des Tractor Pulling bezeichnet man diese Läufe auch als „Pulls“. Bei jedem Pull muss der Bremswagen über eine Distanz von 100 Metern gezogen werden. Nur die Kandidaten, die die 100-m-Strecke im ersten Lauf als „Full Pull“ tatsächlich schaffen, sind für ein Stechen im zweiten Lauf qualifiziert.

Bevor es richtig losgeht, finden Testfahrten statt, um die Einstellungen des Bremswagens auf den Zustand der Füchtorfer Lehmbahn abzustimmen. Warum es eine Lehmbahn sein sollte, erklärt Tobias Hörstkamp vom Green Fighter Team: „Ein leicht feuchter und verfestigter Lehmboden ist ideal, damit die Reifen der Tractor Puller richtig Grip bekommen. Wird der Boden zu trocken, muss er bewässert werden. Ist er zu nass, kann die Bahn unter Umständen gar nicht genutzt werden.“

Als Fahrer des AXION 960 TERRA TRAC, der wieder vom Hof Löffeld zur Verfügung gestellt wurde, ist Martin Dingmann von CLAAS vorgesehen. Er nutzt die Vorbereitungszeit für Probeläufe vor dem Bremswagen. Danach meint er: „Ich werde mit 900 kg Frontgewicht und komplett eingeschobenem Zugpendel antreten. Letzteres verbessert die Last auf der Hinterachse und damit die Zugkraft.“


Starter Nr. 1 ist Enrico Vollerthun mit dem 7.500 PS starken und 4t schweren Green Fighter.

Nach den Testläufen steht fest: Der Bremswagen kommt mit 26,5 t Gesamtgewicht zum Einsatz. Wie üblich werden davon beim Start jedoch nur 3.000 kg auf den vorderen 20 cm der Bremsplatte lasten, sodass die Traktoren erst einmal Fahrt aufnehmen können. Im weiteren Verlauf eines Pulls verschiebt sich die Back, eine Box mit Zusatzgewichten, nach vorne auf die Bremskufe und erhöht dadurch die Bremswirkung.

„Um die Bremswirkung weiter zu verstärken“, erklärt Andre Scharre, der den Bremswagen fährt, „lässt sich die Vorlaufgeschwindigkeit der Back verändern. Will man noch mehr Bremskraft, wird ab einer bestimmten Bahndistanz die Bremsplatte in voller Länge abgesenkt. Anschließend gibt es noch den Push Down; dann wird auch die Hinterachse des Bremswagens angehoben. Je früher diese Erschwernisse eintreten, desto stärker sind die Traktoren gefordert.“ 

Radgeschwindigkeiten über 120 km/h

Es ist soweit: Starter Nr. 1 ist der 7.500 PS starke und 4 t schwere Green Fighter. Mit Helm und Feuerschutzanzug hat Pilot Enrico Vollerthun im engen Fahrerkäfig Platz genommen. Als er mit ohrenbetäubendem Motorsound und Radgeschwindigkeiten über 120 km/h von der Startlinie abzieht, spritzt der Lehm meterhoch. Schon kurz nach dem Start hebt sich die Vorderachse leicht in die Höhe, während der Green Fighter in Sekundenschnelle bis auf 45 km/h beschleunigt. Erst rund 60 m hinter der Startlinie wird er zunehmend langsamer und kommt schließlich kurz hinter der Full Pull Linie zum Stehen. Wahrlich ein Spektakel, das wenig mehr als 10 Sekunden gedauert hat.


Der Green Fighter beim ersten Lauf: Die Vorderachse hebt leicht vom Boden ab, weil durch den Zug an der Bremswagenkette zusätzlich Gewichtskraft auf die Hinterachse des Traktors übertragen wird.

Nicht minder souverän, aber weniger spektakulär absolviert der AXION mit seinem TERRA TRAC Laufwerk den ersten Lauf. Martin Dingmann setzt den 445 PS Traktor ebenfalls zügig in Bewegung und kann zunächst bis auf 19 km/h beschleunigen. Ebenfalls ab der 60 m Marke wird auch er langsamer, schafft aber ebenfalls einen Full Pull. Damit hat sich auch der AXION für den nächsten Lauf qualifiziert.

Der AXION beim ersten Lauf: Bei zunehmender Bremsung regelt das stufenlose Getriebe die Geschwindigkeit runter, sodass die Zugkraft steigt.Der Schlupf bleibt aber gering.

Beim zweiten Lauf zieht der Green Fighter den Bremswagen sogar mehrere Meter über den Full Pull hinaus.

Spannend bis zum Schluss

Nachdem zwischenzeitlich ein leichter Regenschauer niedergegangen ist, geht der Green Fighter zum zweiten Lauf an den Start. Zuvor hat Andre Scharre die Bremseinstellungen des Red Shadow TE nachgeschärft. Jetzt steht es auf der Kippe: Wer zieht am weitesten?

Tatsächlich gelingt es Enrico Vollerthun, seinen Green Fighter sogar auf fast 50 km/h zu beschleunigen. So schafft er es, den Bremswagen mehrere Meter über den Full Pull hinaus zu ziehen – trotz deutlich stärkerer Bremswirkung. Dazu Enrico Vollerthuns Kommentar: „Dieser Lauf war nahezu perfekt.“


Auch der saatengrüne Raupentraktor zieht beim zweiten Lauf deutlich weiter über die Ziellinie hinaus.

Für alle ist nun aber auch klar: Der AXION wird nicht mehr als Sieger aus dem Wettbewerb hervorgehen. Aber wie weit wird er es im zweiten Lauf schaffen? Dann die zweite Über­raschung: Auch der TERRA TRAC Bolide zieht deutlich weiter als beim ersten Lauf über die Full Pull Linie hinaus. Zum Stillstand kommt er nahezu exakt auf gleicher Höhe wie zuvor auch der Green Fighter. Das Ergebnis ist also ein klares Unentschieden! Beide Fahrer sind erleichtert und freuen sich riesig, dass sie es geschafft haben, den Bremswagen zwei Mal zu bezwingen. 

Mit einem Augenzwinkern könnte man auch sagen: Bei diesem Wettbewerb gibt es sogar zwei Sieger.

Für die besseren Zugleistungen beim zweiten Lauf hat Tobias Hörstkamp zwei mögliche Erklärungen: „Entscheidend für den Erfolg ist bei unserem Sport auch, wie gut dem Fahrer der Start gelingt und dass er mit seiner Fahrstrategie möglichst richtig liegt. Und das ist beiden beim letzten Lauf offenbar noch besser gelungen. Möglicherweise hat auch der kurze Regenschauer dazu geführt, dass die Bahn beim zweiten Lauf noch griffiger war.“

Nach dem Wettkampf: Enrico Vollerthun (links) und Martin Dingmann fühlen sich beide als Sieger, die den Bremswagen zwei Mal bezwingen konnten.

Im Vergleich: Das Zugkraftverhalten

Die Unterschiede im Zugkraftverhalten der beiden Kontrahenten erklärt kurz und knapp Prof. Dr. agr. Thomas Rademacher von der Technischen Hochschule Bingen, Fachrichtung Agrarwirtschaft.

Der Green Fighter hat eine Motorleistung von 7.500 PS und eine vergleichsweise große Hinterachsbereifung 30.5L32. Mit rund 4 t ist sein Eigengewicht aber viel zu gering, um die hohe Motorleistung auch auf den Boden zu übertragen. Bei einer Wettbewerbsfahrt startet er gleich mit höchster Motordrehzahl, sodass es zu entsprechend hohen Radumfangsgeschwindigkeiten (120 km/h) und hohem Schlupf von etwa 70 % kommt. Durch den Zug an der Bremswagenkette wird dann aber zusätzlich Gewichtskraft vom Bremswagen auf die Hinterachse des Traktors übertragen – gut daran zu erkennen, dass sich die Vorderachse des Green Fighters vom Boden abhebt. In Sekundenschnelle entwickelt sich nun ein dynamischer Prozess, bei dem immer mehr Gewicht auf den Traktor übertragen wird, die Verzahnung zwischen Traktorreifen und Lehmboden immer besser und der Schlupf dementsprechend geringer wird. Auf diese Weise kann sich das Gespann aus Pulling-Traktor und Bremswagen auf Geschwindigkeiten von 40 km/h und mehr beschleunigen. Letztendlich steigt so die Zugleistung am Zughaken, die physikalisch als das Produkt aus zunehmender Zugkraft und zunehmender Geschwindigkeit definiert ist.

Der Zugleistung des Pullers steht die zunehmende Bremskraft des Bremswagens (= zunehmendes Gewicht auf der Bremsplatte) gegenüber. Sobald diese größer wird als die Zugkraft des Pullers, wird dessen Geschwindigkeit verzögert. Mit seinen mehr als 40 km/h ist der Puller nun aber in Schwung, d.h. er hat eine so hohe kinetische Energie aufgebaut, dass er den Bremswagen damit weiterziehen kann. Abschließend folgt aber ein Prozess, der genau umgekehrt funktioniert wie die Beschleunigungsphase. Der Puller wird immer langsamer, die Schlupfwerte steigen wieder an, bis der Traktor schließlich auf einen Schlupf von 100 % kommt und sich in den Boden eingräbt. Insgesamt dauert so eine Fahrt des Green Fighters kaum mehr als 10 Sekunden. Der Kraftstoffverbrauch ist in dieser sehr kurzen Zeit mit 60 l Methanol allerdings enorm hoch.

Beim AXION TERRA TRAC dauert eine Wettbewerbsfahrt gut eine Minute, denn das Ziehen funktioniert hier anders. Der Traktor hat hohe Gewichtskräfte und dank TERRA TRAC eine große Bodenaufstandsfläche. Er startet mit geringem Schlupf (< 10 %) und kommt auf eine niedrigere maximale Geschwindigkeit von 19 km/h. Zugleich ist seine Zugkraft aufgrund des Gewichts deutlich höher als beim Puller. Wegen der Gewichtsübertragung vom Bremswagen auf die Hinterachse nimmt auch beim AXION die Gewichtskraft auf dem Raupenlaufwerk zu.

Die steigenden Bremskräfte führen beim AXION ebenfalls dazu, dass er etwa ab Mitte der Bahn langsamer wird. Anders als beim Green Fighter kommen jetzt aber das hohe Gewicht des AXION und die große Kontaktfläche der TERRA TRAC Laufwerke zum Tragen: Die Zugkraft des AXION wird so groß, dass er den schweren Bremswagen schließlich mit knapp 3 km/h über die Ziellinie bewegt.

Aufgrund der großen Aufstandsfläche der Laufwerke nimmt der Schlupf dabei aber nicht überproportional zu, vielmehr regelt das stufenlose Getriebe die Geschwindigkeit runter, sodass die Zugkraft weiter steigt. Erst hinter der Ziellinie steigt der Schlupf dann bis auf 100 % an. Der Traktor kommt zum Stehen, jedoch ohne dass sich die Laufwerke in den Boden eingraben. Mit ca. 1,3 Liter Diesel pro Lauf hat der AXION deutlich weniger Kraftstoff verbraucht. Berücksichtigt man die unterschiedlichen Brennwerte der Kraftstoffe, war er sogar um den Faktor 21 energieeffizienter als der Green Fighter unterwegs.


Kontakt: ulrich.gerling@claas.com